Musikpädagogische Angebote in Erstaufnahmeeinrichtungen (EA)

Angebote im Kloster der Erlöserschwestern

 

Zu Beginn unserer Tätigkeiten stand ein spontanes Konzert im Mutterhaus der Schwestern des Erlösers am 24.10.2014. Lorenz Bergler, Pablo Liebhaber und Jonas Hermes spürten hier, wie direkt und unkompliziert Musik im Umfeld einer Unterkunft für geflüchtete Menschen w
irkt. Wöchentlich stattfindenden Konzerte folgten. Die HfM Würzburg unterstütze dies maßgeblich durch die Leihgabe eines Flügels.

Ordensfrauen, die diese Unterkunft liebevoll betreuen, äußerten nach dem ersten Konzert den Wunsch, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen weitere musikalische Freizeit- und Bildungsangebote verfügbar machen zu können.

WiMupercZusammen mit Frau Prof. Barbara Metzger (HfM Würzburg) entwickelten wir Konzepte für zwei wöchentlich stattfindende Stunden für Kinder und Jugendliche und musizerten einmal wöchentlich mit Erwachsenen. Mit Hilfe der HfM Würzburg und privaten Spenden wurde ein Musikraum im Mutterhaus eingerichtet, den wir bis in den Sommer 2016 nutzten.

Hier konnten wir maßgebliche Teile der „sprachfreien aufsuchendene Musikpädagogik“ entwickeln und lernen, wie musikpädagogische Angebote zur Förderung des Spracherwerbs eingesetzt werden können. Dies ist seitdem fester Bestandteil aller WiMu-Gruppenangebote

Gespannt warten wir auf die Umstrukturierung der Notaufnahme zur Gemeinschaftsunterkunft und freuen uns, dort bald wieder tätig sein zu können.

EMP Trommelfoto

 

 

 

 

 

Angebote in der Erstaufnahmeeinrichtung am Hubland

In einer Turnhalle in direkter Nachbarschaft des Sprachenzentrums der Universität Würzburg wurde im November 2015 eine Erstaufnahmeeinrichtung als Notunterkunft für bis zu 300 Flüchtlinge eingerichtet. Wie in den meisten Notunterkünften gibt es hier so gut wie keine Privatsphäre und ganze Familien teilen sich wenige Quadratmeter Lebensraum. Um den dort lebenden Kindern, vor allem den jüngeren unter sechs Jahren, die noch keine regelmäßige Betreuung erhalten, Abwechslung und Freude zu schenken und ihnen den Zugang zu kindgerecht gestalteten Musizier-  und Lernangeboten zu ermöglichen, fanden im anliegenden Uni-Gebäude zwei Mal pro Woche elementares Gruppenmusizieren statt. Unter dem Titel „Trommelkids“ kommen hier 3 bis 13-Jährige musikalisch in Kontakt, musizieren miteinander und lernen die ersten deutschen Vokabeln. Das Augenmerk liegt dabei nicht auf einem musikalischen Deutschkurs, sondern darauf größtenteils nonverbal ganzheitlich Musik zu erleben. Der Lernweise von Kindern entsprechend wurde dabei nicht nur musiziert, sondern auch getanzt, gesungen, gesprochen und gelauscht. Die „Trommelkids“ wurden in der Unterkunft persönlich von zwei MusikpädagogInnen abgeholt und zurückgebracht. Eine wichtige Vorgehensweise, damit die ständig wechselnden Bewohner der Notunterkunft von dem Angebot mitbekommen und sich die zu Recht vorsichtigen Eltern ein Bild von den Musiklehrern machen können.

Mittagsmusik
IMG_0089
Aus einem spontanen Mini-Konzert in einer Erstaufnahmeeinrichtung am 24.10.2014 hat sich WiMu entwickelt.
Durch Unsicherheit, die Last der unmittelbar erlebten Schicksale, unfreiwillige Untätigkeit können Mahlzeiten in Erstaufnahmeeinrichtungen in sehr bedrückender Atmosphäre stattfinden. Musikalische Untermalung bringt hier Abwechslung, Lockerheit, Ablenkung, Freude und Offenheit. Professionelle Musiker spielen wöchentlich mindestens ein solches Mini-Konzert für WiMu in Würzburger Erstaufnahmeeinrichtungen.

Bei den WiMu Konzerten in der Erstaufnahmeeinrichtung im Mutterhaus der Schwestern des Erlösers traten seit dem 14.10.2014 folgende MusikerInnen auf:

Pauline Weindorf, Tine Schneider, Evelyn Kincses, Bettina Langmann, Rosa Faerber, Julia Frach, Sabrina Damiani, Lorenz Bergler, Pablo Liebhaber, Christian Stapff, Anton Mangold, Theodor Spannagel, Johannes Liepold, Severin Krieger, Nikolaus Jira, Felix Schneider, Evgenij Zelikmann, Michael Höfner, Ludwig Buschendorf, Sebastian Wagner, Sebastian Birner, Jonas Hermes und „Die Überlebenden“ (Theatergruppe der KHG Würzburg) mit Alexandra Schwartz, Rashid Jalei, Johannes Liepold und Dirk Rumig

Teestube

Im Sommer 2015 wurde in der Nachbarschaft unseres Zuhauses, dem Theater am Neunerplatz, ein großes Festzelt aufgestellt. Hier waren knapp über 100 Männer aus Syrien, Afghanistan und der Ukraine untergebracht.

Schnell war klar, das WiMu im Zelt nicht aktiv werden wird, schließlich befand sich diese Notunterkunft inmitten eines Wohngebiets. So öffneten wir die Türen unseres Theaters und konnten mit den Geflüchteten Tee trinken, essen, Konzerte genießen, eine Zaubershow erleben, tanzen und so erste Kontakte knüpfen. Viele der Männer sind uns, WiMu und dem Theater am Neunerplatz, nach wie vor verbunden.

Reuterhaus

Wir werden ab April 2017 verschiedene musikalische und musikpädagogische Angebote in der Gemeinschaftsunterkunft im Reuterhaus aufbauen.

Geplant sind folgende regelmäßig stattfindenden Angebote:

Eltern-Kind-Stunden:

In Zusammenarbeit mit dem Eltern-Kind-Treff „Kunterbunt“ der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe, der in den Räumen des Reuterhauses ansässig ist, wird ein elementar-musikpädagogisches Angebot für Kinder (ab 1,5 – ca. 3 Jahre) und deren Eltern aufgebaut: ein ganzheitliches Angebot, das aus vielen Elementen wie Liedern, Finger- oder Handspielen, Kniereitern, Tänzen, (entdeckendem) Instrumentalspiel, „Mini-Konzertzeiten“, und vielem mehr besteht.

Kinderstunden / Musikalische Früherziehung (MFE):

Musikpädagogische Angebote für Kinder im Grund- und Vorschulalter werden ein weiterer Baustein der ReuterHausMusik sein. Unterrichtsweisen der Elementaren Musikpädagogik (EMP) werden hier an die Arbeit mit Kindern, die in der Unterkunft „Reuterhaus“ und in der Nachbarschaft wohnen, also Kinder mit und ohne Migrations-, bzw. Fluchthintergrund angeglichen.

Chor

Zum gemeinsamen Singen im Begegnungsraum des Reuterhauses laden wir alle Menschen über 16 Jahren ein. Unser Ziel ist es, langfristig einen Chor aufzubauen, in dem Menschen verschiedenster Herkunft gemeinsam singen.